1. – 4. Schuljahr

Jutta Buchner-Fuhs | Burkhard Fuhs

Kinderzimmer

Räume entdecken, wahrnehmen und gestalten

Ausgehend von Abbildungen historischer Kinderstuben befragen die Kinder Eltern und Großeltern zu deren Kinderzimmern, vergleichen die Berichte mit ihren Kinderzimmern heute und gestalten schließlich „Traum-Kinderzimmer. All dies lässt sie die Historizität von Räumen erkennen und über die Bedeutung räumlicher Gegebenheiten für die Gestaltung von Kindheit nachdenken.

Mit Kindern über ihre Räume, vor allem das Kinderzimmer, nachzudenken, führt leicht in die unendlichen Weiten kindlicher Lebenswelten, in die inneren, medial gerahmten Fantasiewelten und in die äußeren durch Dinge und Medien gerahmten Spiel- und Lernwelten.
Wortspeicher
Wortspeicher
  • der Raum
  • die Kinderstube
  • die Privatsphäre
  • die (Großeltern-/Eltern-)Generation
  • die Regel
  • der Konflikt
  • das Geheimnis
  • das Versteck
  • dekorieren
Ein Sachunterricht, der mit Schülerinnen und Schülern ihre Räume erkundet, lässt nicht nur die Kinder, sondern auch Eltern und Lehrkräfte etwas über Räume in ihrer Relationalität lernen. Schülerinnen und Schüler verstehen in einem solchen Unterricht, was „Raum für Kinder überhaupt bedeutet, und reflektieren, wie sich Kinder Raum aneignen und wo die Grenzen dieser Raumaneignung liegen. Sie verstehen, dass Räume für Kinder unterschiedlich waren und sind und dass diese Unterschiede bedingt sind durch differerierende Vorstellungen Erwachsener (des sozialen Nahraums wie gesamtgesellschaftlich) darüber, wie Kinder leben, lernen, arbeiten oder spielen sollen (s. auch Wissen kompakt). Lehrerinnen und Lehrer sowie Eltern werden in einem solchen Unterricht im Dialog mit Kindern individuelle und generationsspezifische Raumvorstellungen und -bedürfnisse reflektieren; sie werden über ihre eigenen Raumvorstellungen hinaus Räume neu sehen lernen und so sie sich darauf einlassen möglichen kindlichen (didaktischen) Überlegungen nach mehr „Spiel- und „Lern-Raum folgen. Ein solcher Unterricht arbeitet mit der Lebenswelt und dem Erfahrungsbezug der Schülerinnen und Schüler. Er ist damit konfrontiert, dass Kinder in sozial, kulturell und sozioökonomisch höchst unterschiedlich geprägten Räumen leben, und muss mit diesem Umstand sensibel umgehen.
Wissen kompakt: Was sind Räume?
Wissen kompakt: Was sind Räume?
Räume, auch in pädagogischen Kontexten, erscheinen uns oft als etwas Statisches und Gegebenes, mit deren „Härte wir uns arrangieren müssen. Doch Räume sind nicht statisch, sie stellen Dinge in ein Verhältnis, sie sind dual, da sie im Handeln entstehen (Löw 2001) und gleichzeitig das Handeln beeinflussen.
Raum wird in diesem Beitrag als ein komplexes soziales Phänomen gefasst, das sehr unterschiedliche Dimensionen aufweist, die sich materiell manifestieren. Miriam Meuth (2017) hat in ihren erziehungswissenschaftlichen Zugängen zum Wohnen sehr klar diese Mehrdimensionalität pädagogischer Orte herausgearbeitet, von der Idee und der Funktion eines Wohn-Raumes und der kulturgeschichtlichen Dimension zu den physisch-materiellen, emotional-kognitiven, sozial-strukturellen bis zu den Handlungsdimensionen des Wohnens (Meuth 2017, S. 113). Räume dürfen in einer pädagogischen Perspektive nicht nur als „absolut definiert werden, sondern müssen immer „relational gedacht werden, da erst die Verknüpfungen von „sozialen Gütern und Menschen (Löw/Sturm 2019, S. 18) das entstehen lässt, was wir Raum nennen. Jeder Raum, so auch die Schule, darf beispielsweise nicht einfach als Container-Raum gesehen werden, der durch die Architektur von vornherein vorgeben ist. Schule entsteht auch räumlich vielmehr in Auseinandersetzung mit den materiellen Gegebenheiten im Handeln aller, die Schule tagtäglich herstellen. In diesem Sinne ist Schule als Sozialraum keineswegs ein einheitlicher Ort, sondern besteht wie alle Sozialräume aus den Raumproduktionen und Raumvorstellungen, die unterschiedliche Interessensgruppen entwerfen (Alisch/May 2008, S.8). So kann...

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