1. – 4. Schuljahr

Michael Otten

Smart und privat?

Kinder für ihr Recht auf Privatsphäre in einer digitalisierten Lebenswelt sensibilisieren

Kinder sind immer mehr und immer früher im Netz aktiv und es werden zunehmend Fotos von ihnen und Informationen über sie ohne ihre Zustimmung in sozialen Netzwerken verbreitet. Beides betrifft das in der UN-Kinderrechtskonvention verankerte Recht auf Privatsphäre. Diese Zusammenhänge sollten Kinder schon im Grundschulalter kennen, um ihre Rechte einfordern zu können.

Die Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren vielseitig verändert, auch die digitale Lebenswelt von Kindern. Aus diesem Grund ist es lohnenswert, mit Kindern über ihre Rechte nachzudenken, die unmittelbar dadurch betroffen sind, denn oft sind die Lieblingsangebote der Kinder nicht für sie gemacht. Im Zentrum dieses Beitrags steht dabei das Recht auf Schutz der Privatsphäre.
Wortspeicher
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  • Kinderrechte
  • Recht auf Schutz vor Privatsphäre
  • Recht am eigenen Bild
  • Datenschutz
  • privat
  • smart
  • soziale Netzwerke
Im Unterricht, in der Elternarbeit und der Auseinandersetzung mit Kolleginnen und Kollegen grundsätzlich im Kontext Schulentwicklung kann es Lehrkräften nicht darum gehen, eine kulturpessimistische Interpretation digitaler Kindheit zu vertreten, zugleich aber auch nicht um ein unkritisches Konsumieren digitaler Angebote. Vielmehr empfiehlt es sich, eine intermediäre Position einzunehmen, die Chancen und Risiken möglichst ausgewogen betrachtet. Dabei ist jedoch zu beachten, dass das in der UN-Kinderrechtskonvention verankerte Recht auf Schutz der Privatsphäre, demzufolge kein Kind willkürlichen oder rechtswidrigen Eingriffen in sein Privatleben oder rechtswidrigen Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden darf, auch im digitalen Raum gelten muss (vgl. Croll et al. 2018, S. 30).
Kinder im Netz aktiv und passiv
Jedes Mal, wenn ein Kind ein Bild postet, im Internet surft oder nach Informationen sucht, erzeugt es Daten. Ihm (und vielen Erwachsenen) ist nicht bewusst, was mit diesen Daten gemacht wird beziehungsweise werden kann. Eine Befragung ergab: 81 Prozent der Kinder haben bereits vor ihrem zweiten Geburtstag einen digitalen Fußabdruck, weil unter anderem Eltern Daten verbreiten (vgl. UNICEF 2017).
Eltern Drei- bis Achtjähriger zeigen eine ausgeprägte Unsicherheit hinsichtlich einer frühen Nutzung des Internets durch ihre Kinder. Die Risiken des Internets überwiegen aus ihrer Sicht. Eine der größten Sorgen sind Gewaltdarstellungen oder sexuell freizügige Inhalte im Netz, denen Kinder schutzlos ausgesetzt sein können. Sie befürchten auch, dass Kinder zu viel von sich preisgeben und möglicherweise fremde Personen Kontakt zu ihnen aufnehmen oder sie gemobbt werden. Insbesondere der unkontrollierte Umgang ihrer Kinder mit Online-Communitys stellt ein unüberschaubares Gefahrenfeld für sie dar (vgl. DIVSI 2015, S. 135).
Fast alle Kinder im Grundschulalter (98 %) haben bereits die Möglichkeit, das Internet zu Hause und auch unterwegs zu nutzen. Über 30 Prozent der Kinder haben ein eigenes Smartphone, 20 Prozent nutzen Messenger-Dienste ohne Aufsicht (vgl. u.a. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2019). Rechnet man jetzt noch die öffentlich-institutionellen Möglichkeiten hinzu, dann scheint das Recht der Kinder auf Zugang zu Medien (Art. 17 der Kinderrechtskonvention) in Deutschland durchaus erfüllt zu sein. Wie aber sieht es mit dem Recht auf Schutz der Privatsphäre aus?
Die durch die Kinderrechtskonvention und das Grundgesetz geschützte Privatsphäre, eine positive Entwicklung und das Kindeswohl können beeinträchtigt werden. Einige Spielzeuge wurden bereits aus dem Handel gezogen, weil sie das akustische oder visuelle Geschehen (Videoaufnahmen) im Kinderzimmer an fremde Server übermittelten. Technisches Spielzeug und Unterhaltungselektronik, also etwa Smart-Toys wie Spielkonsolen, Puppen, mit denen man kommunizieren kann, Schnuller mit Bluetooth, smarte...

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