1. – 4. Schuljahr

Regina Lösel

„Das Kleid dreht sich ja ohne mich!

Überlegungen, Ideen und Experimente zum Verhältnis von Kleidung, Körper und Bewegungen

Schnitt, Material und Gestaltung von Kleidungsstücken haben einen Einfluss auf Körperwahrnehmung und Beweglichkeit. Ausgehend von eigenen Erfahrungen erforschen die Kinder historische, soziologische, kulturelle und physiologische Aspekte des Zusammenhangs von Kleidung und Bewegung.

„Darf ich gleich am Morgen die Jogginghose anziehen, auch wenn ich erst zur zweiten Stunde Sport habe? Sie ist so bequem und ich kann mich darin gut bewegen. Die andere Hose nehme ich mit und ziehe sie dann an, versprochen. Diese oder ähnliche Aussagen kennen alle, die mit Kindern am Abend oder am Morgen vor deren Kleiderschrank stehen und die Kleidung für den Tag aussuchen.
An die scheinbar einfache Frage zur Kleiderwahl im Kontext von Bequemlichkeit schließen sich weitere an: Aus welchem Material, welchem Gewebe wird eine Jogginghose hergestellt? Wie sieht der Schnitt aus? Seit wann gibt es die Jogginghose? Welche Kleidung darf wo und wann getragen werden? Welche gesellschaftlichen Konventionen bestehen? Wie kommt es, dass der Begriff „bequem auf Kleidung angewandt wird? Und seit wann? Und nicht zuletzt stellen sich Fragen zur Körperwahrnehmung und Beweglichkeit. Welche Schrittlänge ist möglich, wenn eine bestimmte Art von Kleidung getragen wird? Welche Bewegungsabläufe werden gefördert oder behindert?
Dass die Wahl der Kleidung eine Auswirkung auf die Beweglichkeit des Körpers hat, ist eine alltägliche Erfahrung von Kindern. Kinder besitzen ein körperliches Wissen über den Zusammenhang von Kleidung und Bewegung.
Diese Grunderfahrung von Kindern und dieser Fragehorizont lassen sich vielfältig im Sachunterricht nutzen. Unser Unterricht nimmt zwei Bereiche in den Fokus:
1. Kleidung hat große Auswirkungen auf Körper und Bewegung. So hat beispielsweise weit geschnittene Kleidung aus Leinen auf der Haut eine kühlende Wirkung und erweitert den Körperraum. Ob man einen Rock oder eine Hose trägt, beeinflusst die Wahrnehmung des Körpers und die Bewegung. Diese Verzahnung schafft Anschlüsse zur alltäglichen Erfahrungswelt von Kindern, die im Sachunterricht beobachtet, beschrieben, eingeordnet, verglichen, analysiert und interpretiert werden können.
2. Kleidung, Körper und Bewegung lassen sich in verschiedenen Wissenschaftsfeldern verorten, etwa in Bekleidungs- und Modeforschung, Kulturgeschichte, Kunstgeschichte, Geschichte, Soziologie. Bei der Betrachtung fließen unter anderem materialtechnische, ästhetische, wirtschaftliche, physiologische und kulturelle Aspekte mit ein.
Durch die intensive Auseinandersetzung mit der Beziehung von Körper und Kleidung, den eigenen Bedürfnissen und gesellschaftlichen Konventionen in Bezug auf Kleidung sowie den Eigenschaften von Kleidungsstücken wird mit dem Unterricht das Ziel verfolgt, sensibel unterschiedliche Bewertungskategorien wahrzunehmen und kritisch zu hinterfragen. Über die Schärfung der Bewertungskompetenz der Schülerinnen und Schüler im Kontext von Kleidung erkennen sie die Bedingungen historischer Veränderungsprozesse hinsichtlich der Anforderungen von Kleidung und werden dadurch in ihrer Mündigkeit gestärkt.
Der Unterrichtseinstieg: Körperbewegungen
Als Unterrichtseinstieg erfolgt ein Körperscan der Bewegungen (s. Wissen kompakt „Von Körperbewegungen und Körpertechniken). Dazu stellen sich die Kinder im Kreis auf. Vom Scheitel bis zur Sohle werden die Bewegungsmöglichkeiten der einzelnen Körperteile ausprobiert: Welche Bewegungsrichtungen lassen Kopf, Arme, Hände, Finger, Rumpf, Po, Hüfte, Becken, Beine, Füße und Zehen zu? Kann jemand vielleicht sogar mit den Ohren wackeln? Wir schauen noch detaillierter: Wer kann besondere Tänze und Tanzschritte oder besondere Bewegungsabfolgen einer Sportart vorführen? Hat jemand besondere Fingerfertigkeiten (handwerkliche, künstlerische, musikalische)? Es ist ein großer Spaß, die...

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