3. – 4. Schuljahr

Claudia Bohrmann-Linde

Der Stoff für Stoffe

Herkunft und Eigenschaften von Textilfasern

Stoffe umgeben und schützen uns unser ganzes Leben lang. Wissen über die Herkunft von Rohstoffen für Textilien, die Eigenschaften verschiedener Stoffarten und die Herstellung und das Recycling synthetischer Stoffe lassen sich in einem experimentbasierten Unterricht erarbeiten.

Schon in ihrer frühen Geschichte haben sich Menschen mit schützenden beziehungsweise wärmenden oder auch dekorativen Materialien umhüllt. Waren bereits vor etwa 135.000 Jahren Felle im Einsatz, die unter anderem mit Sehnen für Kleidung und später auch als Material für Zelte verarbeitet wurden, konnten die sesshaften Menschen Naturfasern pflanzlichen Ursprungs nutzen. Um 5.000 v. Chr. begannen die Sumerer, aus Flachs Leinen herzustellen, um 2.700 v. Chr. wurde in Peru Baumwolle angebaut (vgl. Tausch & v. Wachtendonk, S. 382). Basierend auf diesen pflanzlichen und tierischen Rohstoffen wurden schon früh, zum Beispiel unter Nutzung von Webstühlen, Stoffe hergestellt.
Das Aussehen, die Eigenschaften und Funktionen von Stoffen haben sich in der Geschichte der Textilchemie fortlaufend weiterentwickelt. Heute können Stoffe regelrechte Hightech-Materialien sein, die für den jeweiligen Anwendungszweck nicht nur durch handwerkliches Tun, sondern durch chemische Verfahren maßgeschneidert wurden. So verwenden wir Textilien etwa in Airbags, für Raumanzüge, als Gebäudekomponenten, als chirurgische Fäden, für Fallschirme oder als Funktionskleidung.
Begriffsklärung: „Stoffe
Während man im Alltagssprachgebrauch den Begriff „Stoff synonym für eine Textilie beziehungsweise eine textile Fläche verwendet, ist in der chemischen Fachsprache damit etwas ganz anderes gemeint. Jeder Gegenstand besteht aus einem oder mehreren Stoffen; so kann eine Kette aus dem Stoff Silber oder dem Stoff Gold oder auch aus einer Mischung beider Stoffe bestehen. Eine Flasche kann aus Glas oder aus Polyethylentherephthalat (PET) gefertigt sein. Andersherum kann man aus einem Stoff ganz verschiedene Gegenstände herstellen, etwa aus dem Stoff Kupfer einen Lampenschirm und eine Regenrinne oder aus dem Stoff Polyethylen (PE) einen Wasserkasten und eine Plastikfolie. Aus welchen chemischen Stoffen bestehen die Stoffe, aus denen unsere Kleidung ist? Anhand des folgenden Unterrichtsbausteins können sich Grundschülerinnen und -schüler der Stufen 3 und 4 der Antwort auf diese Frage nähern.
Einstieg in das Thema
Als Einstieg in das Thema sollten die Kinder zunächst erschließen, dass Textilien aus Fasern bestehen, die zu textilen Flächen, die wir alltagssprachlich Stoffe nennen, verarbeitet werden. Die Fasern für diese Stoffe können verschiedenen Ursprungs, nämlich natürlich oder synthetisch, sein (s. Abb. 2 – 4 ). Dennoch ist ihnen gemeinsam, dass sie aus sehr langen Molekülketten aufgebaut sind, den sogenannten Makromolekülen (s. Wissen kompakt „Fasern enthalten Makromoleküle).
In der gemeinsamen Einstiegssituation sollen sich die Kinder zunächst dem Thema auf der Ebene des mit den Sinnen direkt Erfassbaren nähern. Dazu soll zu Beginn in einem Blitzlicht zu Bildern das Vorwissen der Kinder gesammelt und eine Systematisierung in natürliche und künstliche Fasern vorgenommen werden. Dies kann mittels AB 1 erfolgen. In die Gesprächsrunde bringen die Kinder ihre Erfahrungen mit den Eigenschaften ihrer eigenen Kleidungsstücke ein:
  • Trocknen sie schnell nach einem Regenschauer?
  • Sind sie elastisch und machen alle Bewegungen mit?
  • Sehen sie auch nach langer Zeit immer noch aus wie neu oder altern sie schnell?
  • Schwitzt man in ihnen stark?
Als Anbahnung an die Experimentierphase können sich die Schülerinnen und Schüler gemeinsam überlegen, ob und wie sie unterschiedliche Stoffe hinsichtlich ihrer Eigenschaften untersuchen können. Entfällt diese Phase, kann direkt mit den angebotenen Experimentieranleitungen (s. Materialpaket) in die praktische Phase übergeleitet werden.
Als...

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