3. – 4. Schuljahr

Anita Rösch

Mode (k)ein Wegwerfprodukt?

Mit Kindern über Herstellung und Konsum von Kleidung nachdenken

Mode spielt schon im Alltag von Kindern eine große Rolle. Sie signalisiert Coolness und Dazugehörigkeit. Anhand der Auseinandersetzung mit der eigenen Kleidung, deren Entstehungsbedingungen und den Möglichkeiten der weiteren Nutzung werden die Schülerinnen und Schüler zu einem bewussteren Umgang mit Kleidung angeregt.

Kleidung hat drei Grundfunktionen:
1. Sie schützt uns vor negativen Umwelteinflüssen. Dazu gehören das Wetter, aber auch Verletzungsgefahren im Beruf (Arbeitskleidung) oder Sport (z.B. Fußballschuhe).
2. Über Kleidung werden immer noch Geschlechterrollen definiert. So gibt es für verschiedene gesellschaftliche Anlässe geschlechtsspezifische Dresscodes (z.B. Abendkleid und Smoking). Doch auch das Gegenteil ist zu beobachten, wenn sich Frauen in der Geschäftswelt bewusst androgyn in Hosenanzügen kleiden, um den weiblichen Körper zu verbergen mit dem Ziel, in einer Männerdomäne mehr anerkannt zu werden. Geschlechterrollen werden bereits bei Kindern modisch transportiert, wenn Mädchenkleidung vor allem in Rosa angeboten wird und die Mode für Jungs mit Motiven von Actionfiguren oder Technik versehen ist.
3. In jeder Gesellschaft signalisiert Kleidung bestimmte soziale Rollen. Dies gilt für Menschen unterschiedlichen Alters, verschiedener Berufsgruppen, aber auch unterschiedlicher sozialer Stellung. Designer-Mode zu tragen ist ein Statement, trotz entsprechender finanzieller Mittel darauf zu verzichten ebenso.
Mode und Identität
Im Alltag und für Kinder und Jugendliche in besonderem Maße spielt vor allem die soziale Komponente von Mode eine große Rolle. Kleidung prägt den ersten Eindruck, den man von einem Menschen gewinnt. Bevor wir etwas sagen, hat sich unser Gegenüber aufgrund unserer äußeren Erscheinung schon ein erstes Bild von uns gemacht.1
In unserer Wohlstandsgesellschaft wird Kleidung nicht nur nach Kriterien wie Funktionalität und Praktikabilität gekauft, sondern sie ist ein Statement. Für Jugendliche und zunehmend auch für immer jüngere Kinder spielt Kleidung im Prozess der Identitätsentwicklung eine große Rolle.2 Über das Outfit soll Zugehörigkeit signalisiert, der Wunsch nach Anerkennung befriedigt und Selbstverwirklichung ermöglicht werden. Schon Grundschülerinnen und Grundschüler wollen cool sein, ein Shirt mit dem Logo des gerade angesagten Filmhelden oder der angesagten Comicfigur tragen, und liegen mit diesem Wunsch Eltern und Großeltern in den Ohren.
Modelabel verkaufen heutzutage mehr als nur Kleidungsstücke. Die Marketingstrategien gehen auf. Den Käufern werden bestimmte Motive suggeriert, die die Modelabel zu befriedigen versprechen. Diese „Motive sind die wahren Treiber des Kaufverhaltens. Sie entfalten ihre Wirkung im Autopiloten und steuern unbewusst unser Verhalten.3 Die produzierte Massenmode macht es jedem möglich, die bewusst oder unbewusst vorhandenen und von der Werbung erzeugten Bedürfnisse zu befriedigen. Die Folgen für die Arbeiter und die Umwelt machen sich die meisten nicht bewusst (s. Wissen kompakt „Fast Fashion Slow Fashion).
WISSEN KOMPAKT: Fast Fashion Slow Fashion
Schon für acht Euro kann man eine Jeans, ein T-Shirt für weniger als fünf Euro kaufen. Von 2000 bis 2010 hat sich die Anzahl der gekauften Kleidungsstücke pro Kopf etwa verdoppelt, die Summe des dafür ausgegebenen Geldes aber nicht. Statistiken kommen zu dem Ergebnis, dass die Deutschen im Schnitt pro Kopf fünf Kleidungsstücke im Monat kaufen, das macht ca. 27 kg Kleidung im Jahr, und davon 14,8 kg wieder entsorgen. Etwa 40 % der Anschaffungen werden selten oder nie getragen.
Früher zählte Kleidung zu den Gebrauchswaren, das heißt zu den Produkten, die so lange wie möglich halten sollten, wie zum Beispiel Möbel. Heute dagegen ist Mode Verbrauchsware und fällt damit in eine Kategorie wie beispielsweise Lebensmittel. Der Begriff Fast Fashion bringt diese...

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