3. – 4. Schuljahr

Thea Lautenschläger | Anne Göhre | Andreas Grajek

Biofolie aus eigenen Kartoffeln

Mit nachwachsenden Rohstoffen für BNE sensibilisieren

In einem Langzeitprojekt vom Setzen der Kartoffeln über die Ernte bis zur Stärkegewinnung und Produktion von Biofolie erfahren die Kinder viel über Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung. Dabei werden sie angeregt, zu ökologischen Konflikten (Herstellung von Bioprodukten auf Kosten von Nahrungsmittelanbau) nach Lösungen zu suchen.

Soll ein typisch deutsches Essen genannt werden, so ist bestimmt die Kartoffel in irgendeiner Form dabei. Dabei wird die leckere Knolle noch gar nicht so lange hier in Europa angebaut. Sie stammt ursprünglich aus den Anden in Südamerika, wo sie von den dortigen alten Hochkulturen kultiviert wurde. Diese kannten dabei nicht nur eine, sondern mehrere tausend Sorten gelbe, rote und lila Sorten, kleine und große, runde und längliche. Erst im 16. Jahrhundert kam die Kartoffel schließlich mit den Entdeckern des neuen Kontinents auch auf unseren Kontinent. Dort aß man sie nicht, sondern fand sie vorerst nur schön und baute sie in Gärten als Zierpflanze an. Erst im 18. Jahrhundert breitete sich auch in Europa das Wissen aus, dass die Knolle auch essbar, gesund und nahrhaft ist.
In den letzten Jahren rückte noch eine weitere Verwendung in den Fokus: die Nutzung der isolierten Stärke als Grundlage für kompostierbares Verpackungsmaterial (s. Wissen kompakt S.21). Das Problem der Müllberge scheint beseitigt. Doch ein neuer Konflikt tut sich auf: die Konkurrenz zur Kartoffel als Nahrungspflanze.
Die Aktualität und Brisanz der Thematik lässt sich in ein kindgerechtes Format bringen, in welchem die Schülerinnen und Schüler die Kartoffel als Nahrungspflanze und Verpackungsmittel kennenlernen. Die ganzheitliche Auseinandersetzung mit allen Sinnen über einen langen Zeitraum ermöglicht den Kindern, einen Zugang zu Zukunftsfragen zu erlangen und dabei einen gefestigten Standpunkt einzunehmen. Es geht nicht darum, die eine richtige Lösung für ein Problem zu finden, sondern zu erkennen, dass die Welt nicht eindimensional ist. Erst das Einnehmen verschiedener Perspektiven ermöglicht es, die Folgen des eigenen Handelns abschätzen zu können.
Warum ein Langzeitprojekt?
Sinn und Nutzen eines ganzheitlichen Langzeitprojekts ergeben sich aus den vielfältigen Möglichkeiten, die Motivation und Begeisterungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler mit den Ansprüchen der einzelnen Fächer sowie der Sensibilisierung für überfachliche und allgemein-gesellschaftliche Werte zu verbinden.
Den Schülerinnen und Schülern wird bewusst, dass Verpackungen in unserem Alltag eine große Rolle spielen. Gleichzeitig besitzen Kinder einen hohen Grad an Sensibilisierung für das Thema Umweltschutz. In diesem Spannungsfeld ist es möglich, ihnen im Projektverlauf immer wieder Gelegenheiten zu bieten, sich zu den Möglichkeiten der Vereinbarung unterschiedlicher Interessen (Beispiel: Frühstück täglich „verpacken, gleichzeitig Plastik vermeiden) zu positionieren, diese zu beurteilen und Ansätze für Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Damit lässt sich eine Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) realisieren.
Die unmittelbare Anteilnahme und Verantwortung der Schülerinnen und Schüler an jedem einzelnen Schritt vom Anbau der Kartoffeln bis hin zum abschließenden Recycling der Stärkefolie erhöht die Wertschätzung des eigenständig erarbeiteten Produkts. Das bietet ein enormes Motivationspotenzial für den Schulalltag, von welchem sich auch unzählige unterrichtliche sowie fachübergreifende und lernbereichsverbindende Aktivitäten ableiten lassen.
Das Schaubild auf S. 28 verdeutlicht die Stufen des Langzeitprojekts, welches die Lehrplan- und Lerninhalte verschiedener Klassenstufen nachhaltig miteinander verbindet und aufeinander bezieht.
Die Schülerinnen und Schüler erleben, dass in der Natur geschlossene Kreisläufe existieren, die langfristig funktionieren. Durch eine nicht nachhaltige...

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