1. – 4. Schuljahr

Sabine Erbstößer

Wer isst heute noch Brot?

Aktuelle Trends rund um ein Grundnahrungsmittel erforschen

Wir Deutschen haben die meisten Brotsorten, traditionell ist Brot bei uns ein wichtiger Bestandteil der Ernährung. Doch Herstellung, Vertrieb, Preisgestaltung und Kaufverhalten haben sich in diesem Bereich in den letzten Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Über Brot gibt es daher viel mehr zu erfahren als aus welchen Getreidesorten es hergestellt werden kann!

In einer schriftlichen Prüfung im Sachunterricht der Humboldt-Universität schrieb vor wenigen Jahren eine Studentin über die Potenziale einer Unterrichtseinheit „Vom Brot zum Korn. So selbstverständlich war die Thematisierung, dass ihr der Verdreher nicht auffiel. Mit Sicherheit ist der mühsame Weg der Brotherstellung „Vom Korn zum Brot einer der gängigsten Inhalte des Heimatkunde-, aber auch des Sachunterrichts. Auch wenn Hermann Müller schon 1970 kritisierte, dass „ die abgepackten Brotschnitten aus den Brotfabriken [] zwar längst in den Selbstbedienungsläden ihren Einzug gehalten [haben], aber kaum in der Heimatkunde (Müller 1970, S.214).
Dieser Unterrichtsvorschlag will Thematisierungsangebote machen, die einen etwas anderen Weg gehen, „während meistens das Kennenlernen und Unterscheiden von Getreidesorten sowie die Herstellung von Brot und Brötchen im Vordergrund stehen (teilweise mit einem Unterrichtsgang zum Bäcker) (Beinbrech/Lemmen 2007, S.23).
„Kein anderes Lebensmittel besitzt in unserer Kultur einen so fundamentalen Stellenwert wie Brot, heißt es in der Ankündigung zu einem neuen Dokumentarfilm „Brot (http://www.navigatorfilm.com/de/brot/). Trotzdem und gleichzeitig deswegen unterliegt das Lebensmittel Brot Trends. Ein Trend, den Bäckerjournalist Werner Kräling sieht, lässt sich so beschreiben: Weizen sei ungesund, Roggen, Dinkel etc. hingegen gesund. Dabei seien für die Frage, ob das Lebensmittel gesund ist, Ausmahlungsgrad des Korns und Teigführung entscheidend und nicht die Getreidesorte (s. Material 1 und Wissen kompakt S.21).
Ein anderer Trend und hierzu recherchierbare Zahlen bezüglich der Verdrängung des klassischen Handwerks in der Bäckerei lesen sich teils alarmierend (s. Abb. 1 und Material 1). Grundschulkinder können von dieser Entwicklung kaum Notiz genommen haben, für sie ist der Ort, an dem die Familie das Brot kauft, leicht mehrheitlich der Supermarkt, eine völlig normale Begebenheit. Es bedarf schon eines größeren Zeitüberblicks, um zu verstehen, dass die heutige Realität der Brotherstellung und des Brotverkaufs eine andere ist als die der eigenen Großeltern.
Einstieg ins Thema
Hier kann die sachunterrichtliche Thematisierung ansetzen. Die Sachunterrichts-Lehrkraft kann mit einer Sacherzählung (s. Kasten: Die Geschichte vom Brot ) in die Thematisierung einsteigen und im Anschluss davon berichten, wie und wo das eben verzehrte, frische, handgemachte Brot erworben wurde. Oder sie bringt ein Bäckerbrot (ungeschnitten) und eine Packung abgepackte Mischbrotscheiben in den Unterricht mit und lässt die Kinder Vermutungen über die Herkunft anstellen. In beiden Fällen kann ein Unterrichtsgespräch Aufklärung über die verschiedenen Lernvoraussetzungen der Kinder geben: Wie relevant ist das Lebensmittel Brot in ihrem Leben? Welche Brotsorten kennen sie? Was wissen sie bereits über das Handwerk des Backens oder über die Möglichkeiten des Erwerbs?
Ein gezielter Impuls der Lehrkraft: „Vor gar nicht allzu langer Zeit gab es in jedem Dorf und jedem Stadtteil mindestens einen Bäcker, wenn nicht sogar mehrere. Wie ist das heute? kann in eine erste Recherchephase überleiten. Gemeinsam kann mit den Lernenden besprochen werden, wie man eigentlich herausfindet, wie die heutige Bäckereienlandschaft im eigenen Ort/in der eigenen Gemeinde aussieht. Die Lehrperson kann dann einen gemeinsamen „Fahrplan vorschlagen:
Zunächst werden auf einer virtuellen Karte am Smartboard (z.B. Google Maps) alle verzeichneten...

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